VISCUM ALBUM

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URSUBSTANZ

Systematik:


Synonyme:


Abkürzung in der Homöopathie:


PRÜFUNGEN

LEITSYMPTOME

SCHLÜSSELSYMPTOME nach BOGER

REGION

Weibliche Sexualorgane.
Nerven.


SCHLECHTER

Wird fröstelig, während der Hitze.


Schwindel; andauernd nach epileptischen Anfall. Scheitel; plötzliches Klopfen darin. Wundheitsgefühl um die Taille herum. Milchiger Urin. Bronschialasthma. [Blut will nicht koagulieren und Wunden wollen nicht heilen.]

Verwandt: BUFO RANA

ÄTIOLOGIE

MODALITÄTEN

Verschlimmerung

  • <

Besserung

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MIASMATIK

KLINISCHE INDIKATIONEN

GEISTES- UND GEMÜTSSYMPTOME


ALLGEMEINSYMPTOME


Verlangen

Abneigungen

CHARAKTERISTISCHE SYMPTOME (Schema Kopf zu Fuß)

Kopf


Augen


Ohren


Nase


Gesicht


Mund


Zähne:

Innerer Hals


Atemwege


Brust


Herz und Puls


Abdomen


Magen


Äußerer Hals und Rücken


Rektum, Anus und Stuhl


Harnorgane

Urin:

Männliche Genitalien


Weibliche Genitalien


Menstruation:

Extremitäten


Obere Extremitäten


Untere Extremitäten


Haut

Frost und Fieber

Schlaf

Träume

BESONDERE HINWEISE

Bewährte Indikationen

Thema des Arzneimittels

Körperlich:


Psychisch:


Hinweise zur Signatur:


Symbolik, Mythologie, Analogien aus Literatur und Künsten:


VERWANDTE MITTEL

Komplementärmittel/Ergänzungsmittel

Folgemittel

Zyklen

Kollateralmittel/Vergleichsmittel

Antidote

Es antidotiert

QUELLEN

C.M. Boger: Synoptik Key; Similimum-Verlag; ISBN 3-930256-30-4

LINKS



EINLEITUNG

Die Mistel ( Viscum album ) wurde vom Verband der Heilkräuterfreunde Deutschlands zur Heilpflanze des Jahres 2003 gewählt. Die Mistel ist in der biologischen Krebsbehandlung eine bekannte und bewährte Arznei und auch in der Volksheilkunde und der keltischen und germanischen Mythologie hat sie eine große Bedeutung, im keltischen Druidentum sogar überragende Bedeutung. Aufgrund der Wahl zur Heilpflanze des Jahres soll hier neben der phytotherapeutischen Anwendung auch die Frage, warum eine so bedeutende Pflanze der Naturheilkunde in der Homöopathie eher ein Schattendasein führte etwas näher beleuchtet werden.

BOTANIK

Die in der Homöopathie und Pflanzenheilkunde verwendete Mistel Viscum album L. gehört zur Gattung Viscum, die ca. 90 Arten umfasst. Die Viscaceae sind eine Unterfamilie der Loranthaceae. Die Mistel ist eine halbstrauchige Pflanze, die als Halbparasit auf den Ästen von Holzpflanzen lebt. Der Gattungsname Viscum war bei den Römern der Name der Mistel sowie der aus den Beeren bereitete Vogelleim.

Die Laubholzmistel wird volkstümlich auch als Affolter, Bocksfutter, Drudenfuß, Elfklatte, Geißkrut, Guomol, Hexenbesen, Hexenkrut, Hexennest, Immergrüne, Kluster, Leimmistel, Marenklatte, Marentaken, Mischgle, Mischgelt, Mispel, Misple, Mistele, Mistelsenker, Nistel, Uomol, Vogelchrut, Vogelkläb, Vogelleim, Wespe, Wintergrün, Wispel, Wispen oder Wösp bezeichnet. In anderen Ländern heißt die Mistel masslin, mistletoe ( engl. ), gui de druides ( franz. ), Guatrice ( ital. ), Muerdago, visco ( span. ).

Viscum album L. wird in 4 Unterarten ( Tannenmistel, Kiefernmistel, Japanische Mistel und Laubholzmistel ) aufgeteilt. Die Tannenmistel ( Viscum album abietis ) kommt nur auf Tannen vor. Die Kiefernmistel ( Viscum album laxum ) kommt meist auf Kiefern, aber auch auf Fichten und Lärchen vor. Die Japanische Mistel ( Viscum album coloratum ) kommt auf Laubhölzern vor. Die Laubholzmistel ( Viscum album album ) kommt nur auf Laubhölzern vor. Die Laubholzmistel kann je nach Baumart auch als Apfelbaum-Mistel, Kiefern-Mistel, Pappel-Mistel und Eichen-Mistel unterschieden werden, wobei die Eichen-Mistel am seltensten vorkommt.

LEBENSZYKLUS DER MISTEL

Die Mistel ist eine immergrüne parasitäre Pflanze, die der jeweiligen Wirtspflanze Wasser und Mineralsalze entnimmt. Die Misteltracheen ( Leitungsbahnen ) gehen eine direkte Verbindung zu den Tracheen der Wirtspflanze ein. Die Photosynthese und Energiegewinnung kann die Mistel selbständig leisten. Dadurch kann die Mistel auch als Halbparasit bezeichnet werden. Es gibt aber auch Betrachtungen, dass die Mistel nur Bäume befällt, die schon im Vorfeld geschädigt waren.

In der Natur erfolgt die Verbreitung der Mistel durch Vögel die entweder die Mistelbeeren als ganzes Fressen und die keimfähigen Samen mit dem Kot verbreiten, oder nur die Beerenhaut fressen und die Samen mit der anhaftenden Schleimschicht verbreiten. Wenn die Samen an einer Wirtspflanze anhaften erfolgt die Phase Ansiedlung, die bisweilen ein Jahr und länger dauern kann. Die Samen bilden eine Haftscheide ( Hypokotyl ) aus, die sich durch intensive Zellteilung wie einen Keil in das Gewebe des Wirtes schiebt. Nach und nach kommt es dann zur Ausbildung von gemeinsamen Tracheen. Die Mistel bildet in jedem Jahr ein weiteres Sprosselement, so dass es möglich ist, das Alter eines Mistelbusches durch Zählen der Knoten zu bestimmen. Eine Mistelpflanze kann bis zu 70 Jahre alt werden.

INHALTSSTOFFE VON VISCUM ALBUM

Die Mistel enthält hochmolekulare Verbindungen wie Lectine ( Mistellectin I, II und III ), Viscotoxine und Polysaccharide ( Pektine, Arabinogalaktan ). An niedermolekularen Verbinden finden sich Flavonoide ( Quercetin und Quercetin-Derivate ), Pflanzensäuren, Lignane, Triterpene, Betulinsäure, Oleanolsäure, Beta-Amyrin, Ursolsäure, Aminosäuren, cyclische Peptide und Amine.

IDEE UND SYMBOLIK DES MITTELS

Neben der Beziehung zum Krebs, die sich aus dem parasitären Wachstum der Pflanze ergibt, ist die Symbolik der Mistel stark durch die keltische Mythologie geprägt. Die Signatur der Mistel, mit ihrem schmarotzenden Gefäßnetz hat verblüffende Ähnlichkeit mit Bluthochdruck, da in den Mistelzweigen ein erhöhter Säftedruck im Unterschied als beim Wirtsbaum herrscht. In Form von dem häufigen Prüfungssymptom der Kopfschmerzen kann man dies auch als wichtige Symbolik des Mittels festhalten. Die Mistel hat neben der mythologischen Bedeutung auch die Kunst beeinflusst. In der Kunst des Jugenstils ist die Mistel ein vielverwandtes Motiv. In der Musik hat Bellini die Mistel in der Oper „Norma“ dem Opfer der Druiden zugeordnet.

VOLKSHEILKUNDE UND GESCHICHTE DER VERWENDUNG

GESCHICHTE

Die Verwendung der Mistel als Arzneipflanze hat eine lange Tradition. Hippokrates ( 460 – 377 v.Chr. ) empfahl die Mistel gegen die „Milzsucht“. Auch Theophrast ( ca. 300 v.Chr ) und Plinius der Ältere ( ca. 60 v.Chr ) beschreiben die arzneiliche Verwendung der Mistel als Heilmittel gegen Epilepsie. Plinius beschreibt auch die Gewinnung von Vogelleim aus Mistelbeeren. Der klebrige Inhalt der Mistelbeeren wurde an Zweige geschmiert um Vögel, die daran festklebten zu fangen.

MYTHOLOGIE

Eine besondere Bedeutung als magische Pflanze findet man bei den Kelten, einer Bevölkerungsgruppe aus der Sprachfamilie der Indo-Europäer. Im 6. Jahrhundert wurden die Kelten erstmals in griechischen Schriften erwähnt. Die Kelten siedelten zwischen Nordwestspanien und der mittleren Donau. Um 400 v. Chr. Begann eine Wanderung bis nach Britannien und Spanien. Von 58-51 v. Chr. wurden die keltischen Gallier durch Julius Cäsar unterworfen. In Schottland, Wales, Cornwall, der Bretagne und in Irland konnte die keltische Kultur aber noch lange überleben.

Nach Plinius besagt eine alte Druidenregel „Der Mistelzweig muss mit Achtung und, wenn möglich, im sechsten Monde gesammelt werden. Er muss mit einem goldenen Messer abgeschnitten werden. Das Pulver von Mistelzweigen macht Frauen fruchtbar.“

Die besondere Verehrung der Eichenmistel kommt zum einen daher, dass die Mistel auf Eichen seltener vorkommt als auf anderen Bäumen. Zum anderen wurden die Eichengottheiten von den Kelten besonders verehrt und man sah in den Mistelbüschen das sichtbare Zeichen der Anwesenheit göttlicher Wesen.

Die Berichte der Bedeutung der Mistel in den keltischen Riten berichtet Plinius der Ältere. Die Misteln wurden von den Bäumen, besonders von Eichen, unter Beachtung des Mondstandes gewonnen. Die keltischen Druiden waren dazu weiß gekleidet und haben die Mistel im Rahmen einer feierlichen Zeremonie mit goldenen Sicheln geschnitten. Die herunterfallenden Mistel wurden in weißen Tüchern aufgefangen. Vielfach wird diskutiert, ob eine goldene Sichel nicht viel zu weich gewesen wäre um die Misteln zu schneiden und die Misteln daher nur vergoldet waren. Das besondere des Rituals war aber vor allem die Begegnung der magischen Mistel mit dem geheiligten und symbolgeladenen Metall, dem Gold. Das Ritual der Mistelernte schloss mit der Opferung eines weißen Stieres. Das besondere Verhalten der Mistel erschien den keltischen Druiden, als wollte die Pflanze mit der realen Welt nichts zu tun haben, dafür aber um so mehr mit der übersinnlichen Welt. Im irischen heißt die Mistel „Drualus“, was Kraut der Druiden bedeutet.

Im antiken Griechenland war man der Auffassung, dass man mit dem „goldenen Zweig“, der Mistel, die Tore der Unterwelt aufschließen könnte. In der „goldenen Zauberrute“ des Aeneas, die im den Weg in die Unterwelt öffnet, soll ein Mistelzweig gewesen sein.

Ähnlich den Kelten findet sich auch in der germanischen Mythologie. In der Edda wird in der Baldursage beschrieben, wie Loki mit einem Mistelzweig Baldur tötet. Baldur, der Sohn Odins und Friggs, der Gott des Lichtes, der Sonne und der Fruchtbarkeit hatte geträumt, dass er getötet werden würde. Frigg hatte darauf hin allen Naturwesen den Eid abgenommen, dem schönen und jugendlichen Gott Baldur nicht zu schaden. Loki, dem die Unverletzlichkeit Baldurs missfiel, bringt in Erfahrung, dass nur eine einzige Pflanze, nämlich die Mistel, von Frigg nicht in den Eid einbezogen worden war, weil ihr diese zu schwach und zu jung erschien. Loki reißt einen Mistelzweig aus und mischt einen daraus gefertigten Pfeil unter die Geschosse des blinden Hödur, mit dem dieser auf Lokis Anweisung, und den sonst unverwundbaren Bruder tötet. Durch Lokis Tat wird in der Edda der Untergang alle Guten und Gerechten auf der Welt besiegelt und die Götterdämmerung eingeleitet.

Im berühmten Kräuterbuch von Jacobus Theodorus Tabernaemontanus aus dem Jahr 1731 wird berichtet: „Etliche Leuth brauchen sie auch wie ein Amuletum. lassen sie in Silber fassen / oder machen sie ein Schwur / und hencken sie den Kindern an den Hals ... Es wird auch von vielen geachtet / dass sie wider das Gespenst und Zauberey gut sey.“

Nach Matthiolus wird im Jahr 1777 erwähnt, wenn Mistelholz in Form eines Kreuzes um den Hals getragen wird, man vor dem bösen Blick, schlimmen Alpträumen und vor Behexung gesichert ist. Das gleiche gilt, wenn man eine in Silber gefasste Mistelbeere um den Hals trägt.

In der anthroposophischen Sicht liegt die Besonderheit der Mistel darin begründet, dass die Mistel noch aus einer Zeit der Erdentwicklung stammt, in der Erde und Mond noch miteinander verbunden waren. Die Mistel besitzt daher noch, wie die Tierwelt, einen Astralleib. Sie entwickelt sich nicht wie die Pflanzen auf der Erde und kann daher ihre Wurzeln nicht in das terrestrische Mineralreich senken, sondern bedarf als Halb-Parasit einer Wirtspflanze um zu gedeihen. Nach Rudolf Steiners Vorstellung bleibt die Mistel damit innerhalb der Lebensbedingungen der „alten Welt“ .

Im Brauchtum findet man die Mistel als Glücksbringer, besonders zur Abwehr von Hexerei und Verzauberung. Auch in das christliche Brauchtum wurde die Mistel rasch integriert, was im Extremfall zu Schilderungen führte, sogar das Kreuz Jesu Christi sei aus Mistelholz gewesen. In England und Frankreich kam der Mistel von jeher eine besondere Bedeutung zum Weihnachtsfest zu. Besonders in England spielte der Mistelbusch die Hauptrolle als Weihnachtsschmuck. Erst durch Prinz Albert, den Gemahl Königin Victorias wurde auch in England der festländische Weihnachtsbaum in England verbreitet. Doch ganz konnte die Bedeutung des Mistelbusches im englischen Brauchtum nicht verdrängt werden. Eine andere Brauchtumsbedeutung, die englische Sitte, dass ein Mädchen welches man unter einem Mistelbusch antrifft, ohne Erlaubnis geküsst werden kann, ist hinlänglich bekannt.

Im Volksaberglauben wurde die Mistel vielfach verwendet. Schon in der Antike wird beschrieben, dass man bei Viehseuchen Misteln verwendet hat, die in einem Aufguss mit Wein dem Vieh in die Nase gegossen wird. Auch das Aufhängen von Mistelzweigen über der Tür als Schutz vor bösen Geistern oder Krankheiten ist weit verbreitet. Nach einem alten Jägerglauben macht die Mistel einen Jäger auch glücklich im Jagen und Schießen. Die Mistel soll ihren Träger auch hieb- und stichfest machen und als Mistelsalbe hilft sie auch bei angezauberter Impotenz. In der Kunst, besonders im Bereich des Jugenstils ist die Mistel ebenfalls weit verbreitet.

VOLKSHEILKUNDE

In der Volksheilkunde geht die Verwendung der Mistel auf Hippokrates zurücke, der die Blätter der Mistel gegen Epilepsie und gegen Schwindel verwendete.

Hildegard von Bingen (1157) empfiehlt die Mistel bei Lebererkrankungen : „Wenn jemand vielerlei Speisen ohne Maß und ohne Auswahl zu sich genommen hat und durch die verschiedenen Säfte dieser Speisen seine Leber geschädigt und hart wird, soll er kleinen Huflattich nehmen, doppelt soviel Wegerichwurzel und soviel Schleim, der in der Birnenmistel ist, wie Huflattich. ... Die Kälte des Mistelschleimes verringert den Schleim derselben, und der Knoten, der am Blatt oder dem dünnen Zweig der Walnuss sitzt, beseitigt durch seine Bitterkeit die schlechten Säfte, welcher die Leber krank machen.“

In einer Münchener Handschrift aus dem 15. Jahrhundert steht geschrieben : „welcher mensch aichin mistel an der rechten Hand an einem fingerlin (Fingerring) hätt, also dass die Mistel rüret an die hand (gemeint ist, die Mistel soll die bloße Hand berühren), dem käm der siechtag (Epilepsie) nymer mer an.“

Neben Plinius beschreiben auch Paracelsus ( um 1520 ), Matthiolus ( 1554 ), Lonicerus ( 1564 ) und Bock ( 1556 ) die Mistel. Hier wird sie gegen Fieber und bei Blutungen, zur Geburtshilfe und bei Eingeweidewürmern empfohlen.

Haller ( 1755 ) beschreibt die Mistel als mildes Abführmittel und Bittermittel. Hufeland ( um 1800 ) beschreibt die medizinische Anwendung der Mistel als Antiepilepticum und Hardy ( um 1850 ) empfiehlt die Mistel bei Gesichtsneuralgien.

Auch in Asien gilt die Mistel als Heilmittel. Die Ureinwohner Japans, die Ainus, wandten die Mistel bei fast allen Krankheiten an. In der japanischen Kosmetik wird Seifen mitunter auch Mistelschleim zugesetzt.

PHARMAKOLOGISCHE WIRKUNG

Die makromolekularen Wirkstoffe der Mistel wie Lectine, Viscotoxine und Heteroglykane werden nur sehr gering resorbiert, daher fehlen Vergiftungserscheinungen bei oraler Aufnahme der Mistel. Eine deutliche pharmakologische und toxikologische Wirkung ist aber bei der Injektion von Mistelextrakten und Mistelauszügen zu beobachten. Der Abbau der Mistelbestandteile ist weitgehend unbekannt, bei den Mistellektinen weiß man aber, dass sie über eine Antigen-Antikörper-Reaktion gekennzeichnet und eliminiert werden.

Die Mistellektine und Viscotoxine wirken cytotoxisch. Die Lektine lagern sich nach der Endocytose an die Ribosomen und inaktivieren diese. Dadurch kommt es zu einer Blockierung der Translation und dadurch zu einer Blockierung der Proteinsynthese der Zellen. Die Viscotoxine lagern sich an den basischen Oberflächenstrukturen der Zellmembran an und führen so zu einer Störung der Barrierefunktion der Zellmebran. Durch beide Mechanismen werden die Zellen geschädigt. Die Schädigung der Proteinbiosynthese ist natürlich umso stärker, umso höher die Mitoserate ( Zellteilungsrate ) der Zellen ist. Dadurch werden Tumorzellen eher geschädigt als normale Zellen. Die Mistellektine führen auch zur Stimulation von Makrophagen und natürlichen Killerzellen.

ANWENDUNG IN DER NATURHEILKUNDE

In der Pflanzenheilkunde wird die Mistel als Kaltauszug oder Frischpflanzentinktur in der Behandlung von Hypertonie, Blutandrang im Kopf, Schwindel, Kopfschmerzen im Alter, Konzentrationsstörungen, Ohrensausen, Menstruationsblutungen, Wechseljahrsbeschwerden und als Unterstützungsmittel bei Epilepsie verwendet. Die Indikationen für Mistelkraut ( Visci albi herba ) sind nach der Kommission E degenerativ-entzündliche Gelenkerkrankungen und die Begleittherapie bei Krebserkrankungen. Die Anwendung der Mistel in der Behandlung von Krebserkrankungen geht auf Rudolf Steiner zurück. Steiner hat die Mistel im Jahr 1916 wegen ihrer besonderen Eigenschaften als irrsinnige Pflanze bezeichnet.

Die Mistel wird als Apfelmistel bei Mammakarzinomen und Weichteilkarzinomen als erste Wahl und bei Lebertumoren, Pankreastumoren, Gallenwegstumoren und Hirntumoren als zweite Wahl verwendet. Die Tannenmistel wird bei Lebertumoren, Pankreastumoren, Gallenwegstumoren, Hirntumoren und Leukämien als erste Wahl und bei Hals-Nasen-Ohren-Tumoren, Magen-Darmtumoren, Lungentumoren, Urogenitaltumoren, Weichteilsarkomen und Lymphomen als zweite Wahl angewendet. Die Kiefernmistel wird bei Hals-Nasen-Ohren-Tumoren, Magen-Darmtumoren, Lungentumoren, Urogenitaltumoren und Lymphomen als erste Wahl und bei Mammakarzinomen und Leukämien als zweite Wahl verwendet. ( KUNO )

Eine gute Ansprechquote der Misteltherapie findet man bei Mammakarzinomen, primären Leberkarzinomen, Dick- und Dünndarmkarzinome, Blasenkarzinomen, Prostata-Karzinomen, Bronchialkarzinomen, Hautkrebs, intrakraniellen Malignomen und Zervixkarzinomen. Eine unterschiedliche Ansprechbarkeit findet sich bei Ovarialkarzinomen, Morbus Hodgkin, Hodenkarzinomen, Hypernephrom, Schilddrüsenkarzinom, Weichteilsarkomen, chronischen Leukämien, Lymphomen und beim malignen Melanom. Eine ungenügende oder fehlende Ansprechbarkeit zeigt sich hingegen bei akuten Leukämien, HNO-Tumoren, Pankreaskarzinomen, Magenkarzinomen, Ösaphaguskarzinomen, Osteosarkomen, EWING-Sarkom, BURKITT-Tumor, WILMS-Tumor und beim Chorionkarzinom. ( KUNO )

HOMÖOPATHISCHES ARZNEIMITTELBILD

Auffallend für Viscum album ist das Zusammenschnürungsgefühl, welches im Herzen, in der Brust, im Kehlkopf oder im After auftreten kann. Man findet als charakteristisches Symptom auch das Erstickungsgefühl auf der linken Seite. Frauen leiden unter zu früh auftretender Periode, mit hellroten, starken Blutungen. Wenn man Kopfschmerzen hat, besteht das Gefühl, als ob die Schädeldecke in die Höhe gehoben würde. Die Viscum-Menschen leiden unter Zuckungen, einmal hier, einmal dort und sie können die Glieder nicht stillhalten. Die Patienten denken und grübeln andauernd über vergangene Ereignisse nach und sind schwermütig. Sie haben Eine verzagte Stimmung. Sie fürchten sich vor öffentlichen Plätzen und haben einen Widerwillen beim Anblick von Arzneiflaschen. Die Patienten weigern sich, die Medizin einzunehmen. Telefongeläute wirken beängstigend, dabei steigen auch die schlimmsten Ahnungen auf. Nachts bleiben die Patienten lange wach und stellen sich die grausigsten Dinge vor. Absonderlich ist, das der eigene Kot geschluckt wird. Die Menschen sind Personen, die viele Schreib und Sprachfehler. Trost verschlechtert den Zustand der Beschwerden. Leitsymptome sind Apathie, Melancholie, Mutlosigkeit und Antriebslosigkeit. Es gibt aber auch Menschen, die sehr unternehmungslustig sind und voll von Plänen. Sie haben einen großen Optimismus und sind Mitteilsam. Man kann gewissermaßen manische Phasen finden mit Kraftgefühl, Mitteilungsbedürfnis, Optimismus, Munterkeit und Unternehmenslust.

Zum Arzneimittelbild von Viscum album gehören viel Kopfschmerzsymptome. Bei Kopfschmerzen hat man das Gefühl, als ob das ganze Schädeldach abgehoben sei. Der Herzschlag wird im Kopf verspürt. Die Muskeln im Gesicht bewegen sich dauernd. Das Gesicht ist aufgedunsen mit fleckiger Röte und man hat ein Hitzegefühl mit blassem Gesicht. Die Kopfschmerzen sind im vorderen Bereich des Kopfes lokalisiert. Eine Verschlimmerung der Kopfschmerzen durch Wärme, geistige Arbeit, Tabakrauch und Aufregung ist zu beobachten und eine Besserung der Kopfschmerzen im Freien und durch Gegendruck. Die Kopfschmerzen sind mit Kongestionen und Totenblässe verbunden. Man hat das Gefühl, als ob der Kopf platzen würde. Auch blaue Ringe um die Augen, Doppeltsehen und Summen in den Ohren sollen auftreten. Das Kreislaufsystem zeigt auf dem Herzen das Gefühl von einem drückenden Gewicht, so als ob es von einer Hand zusammengequetscht würde. Auch ein Kitzelgefühl in der Herzgegend, stürmischer Herzschlag und das Zittern des Herzens werden beschrieben.

Hauptanwendungsgebiete der Mistel in der Homöopathie sind Blutdruckschwankungen, Arteriosklerose, Schwindel, Epilepsie, Migräne, Kopfschmerzen, Asthma bronchiale bei Rheumatikern, Herzklopfen, Angina pectoris, Tachycardie, Bradycardie, Bandscheibenschäden, Ischias, Rheuma, Gicht, Arthrose, Periodenstörungen, Uterusblutungen, Zuckungen, Glottiskrämpfe, Karzinome und Präkanzerosen.

Arne Krüger Heilpraktiker & Tierarzt Mohriner Allee 88 12347 Berlin homoeovet@t-online.de

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